Portal der Geister

Portal der Geister

Es war unsere erste große Ausfahrt in Neuseeland. Von Auckland aus zuckelten wir im Dr. Zoidberg los – hin zum Cape Reinga, den zwei Meeren und dem Geisterbaum.

Zum Kap

Einen tollen Zeltplatz hat das Department of Conservation hier in die Tapotupotu Bay gezaubert. Als ich versuchte, den Namen auszusprechen, hat es mir zwar gleich mal die Zunge verknotet. Dafür können wir dank kalter Dusche und der obligatorischen Bio-Klos eine ausgiebige Morgentoilette nehmen. Die letzten Kilometer zum Kap wollen wir laufen, vom Parkplatz aus kann ja jeder. Wir schnaufen mächtig an den Anstiegen, und als wir oben auf dem Grat ankommen, verschlägt es uns endgültig den Atem: Rechts nichts als funkelnder Pazifischer Ozean, links die von Zwergenwald bewachsenen Hänge des Te Paki Reserves. „Ist das nicht ein traumhafter Tag?“, fragen uns zwei ältere Wandersleut. Ist es!

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Eine halbe Stunde später sehen wir es dann erstmals. Schmal ist das Kap. Fast schüchtern und doch trotzig wirkt es, wie sich seine zwei Felsen in die Wasserwüste vorstehlen. Wir rasten im Gras. Hüfthoch steht das Kikuyu, und es ist weich wie ein Sofa.

100 7159 225x300 Portal der GeisterAm Kap (fast jedenfalls)

Die Maori nennen Cape Reinga auch „Te Rerenga Wairua“. Übersetzt heißt das in etwa so viel wie „Absprungplatz der Geister“. Die Maori erzählen, dass die Seelen ihrer Verstorbenen entlang des Ninety Mile Beach bis ans Kap ziehen. Dort könnten sie dann von zwei Quellen trinken, zur spirituellen Reinigung und zur Vorbereitung auf die lange Reise ins Reich der Geister, unter dem Meer entlang, bis hin ins sagenumwobene Hawaiki. Die Eintrittspforte dahin, so heißt es, sei ein alter Pōhutukawa-Baum, der seit Jahrhunderten auf den Felsen des Kaps steht. Ganz allein steht er da, nackt quasi, so dass wir uns kaum vorstellen können, wie er all dem Wasser und den Stürmen so lange trotzen konnte.

Die Details seiner wetterfesten Architektur bleiben uns leider verborgen, denn wir können ihn nur aus der Ferne bewundern. Denn Cape Reinga ist für die Maori aufgrund seiner mythischen Rolle tapu, d.h. ein heiliger Ort. Um es vor dem Ansturm der Massen zu schützen, endet der Weg zum Kap daher am Leuchtturm, und selbst hier ist es wie in einer Kirche nicht erwünscht, Lunchpakete und Trinkflaschen auszupacken. Mist, ein Schlückchen hätten wir schon gern genommen, da uns angesichts der Aussicht die Spucke wegbleibt: 100 7153 225x300 Portal der GeisterNie hätten wir gedacht, dass man es sehen kann, wie zwei Meere zusammenfließen. Doch es ist so, zumindest hier: Entlang einer beständig wabernden Grenze schmiegen sich Tasmanische See und Pazifik an- und ineinander. Dunkel-grünlich die eine, hell-bläulich der andere, so, als wäre die Farbe ihrer Wasser eine Metapher ihres Charakters – aufbrausend und tückisch die eine, unendlich und altersmilde der andere.

Als wir dann in der Ferne auch noch die Inseln der Three Kings aufragen sehen, sind unsere Kehlen völlig ausgedörrt.

Vom Kap weg

Es stört uns nicht, dass wir mangels Alternativen den gleichen Weg zurück zur Taputa-, nein Tupato-, quatsch, durchatmen, konzentrieren: Tapotupotu (sprecht mir nach: TA-PO-TU-PO-TU) Bay nehmen müssen. Jetzt ist das Meer eben linker die Zwergenwald-Hügel rechter Hand, und sie sind noch genauso schön wie vorhin. Auch unser Schnaufen ist genauso laut, aber wir schaffen es letztlich kollapsfrei wieder zurück. Dort eine Überraschung: Sie hießen Rodney und Betty, sagen uns die zwei älteren Wandersleut vom Grat. Der große Bus da neben unserem Zelt, das wäre ihrer. Ob wir nicht Lust hätten, ihnen zum Abendbrot Gesellschaft zu leisten? Es gäbe Snapper, frisch aus dem Meer gefischt. Na logen, haben wir!

Und so kommt zu einem Hike alleroberster Kajüte auch noch ein Essen alleroberster Kombüse hinzu: Es gibt Barsch-Filet, Kumara-Chips, nette Unterhaltung und zum Nachtisch Kiwi-Crumble. Könnte ein solcher Tag besser zu Ende gehen?

Kategorie:
Tagestour
Länge:
ca. 9 km hin und zurück
Schwierigkeitsgrad:
aufgrund steiler An- und Abstiege durchaus fordernd
Anfahrt:
über den State Highway 1, dann Abzweigung in die Tapotupotu Road oder aber im Rahmen eines Tourangebots

te paki map 480 Portal der Geister

(Quelle Karte: www.doc.govt.nz)

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